Geschichte des Brautkleides

Heiraten ganz in weiß - doch das war nicht immer so: Die Geschichte des Brautkleides hat viele verschiedene Facetten. Mal war es schwarz, mal beschmückt mit üppigen Rüschen, mal wurde ein Schleier getragen, dann ein Hut. Das Hochzeitskleid hat - je nach Modetrend - ganz unterschiedliche Phasen durchlaufen.


Braut und Bräutigam beide in schwarz gekleidet

Vor 1990

Die (bürgerliche) Braut im 19. Jahrhundert trug kein speziell angefertigtes Hochzeitskleid. Geheiratet wurde in dem feinsten Kleid im Schrank. Da weiße Stoffe oft sehr teuer waren, waren hatten Brautkleider jede andere Farbe - oft schwarz - aber eben nicht weiß. Den Luxus der weißen Stoffe und das Schneidern eines Kleides für diesen Anlass konnten sich damals oft nur wohlhabendere Menschen leisten, zum Beispiel heiratete die britische Königin Victoria heiratete 1840 in einem Kleid aus weißer Spitze. 1854 heiratete Elisabeth von Bayern in einem opulenten weißen Kleid Kaiser Franz Joseph.
Das weiße Hochzeitskleid, so wir es  heute kennen, setzt sich erst nach dem ersten Weltkrieg durch.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz 





Zwei Bräute zu Beginn des 20. Jahrhunderts


1900
Um die Jahrhundertwende und mit dem Beginn des ersten Weltkrieges wurden die Brautkleider "bequemer". Der politische Umbruch kam auch in der Mode zum Ausdruck. Größere Stoffmengen kamen zum Einsatz, die Taille verschwand und hüllten die Braut elegant ein. Hüte und Schleier die um den Kopf gelegt und mit einem Blumenkranz befestigt wurden, kamen zum Einsatz. Die Menschen konnten sich meist die Anfertigung eines aufwendigen Hochzeitskleides für nur einen Tag nicht leisten.

Foto: Corbis

 

 

 

 

Braut aus dem Jahr 1910


1910
Immernoch fehlt die Betonung des Körpers - die in den vorherigen Jahrzehnten durch enge Korsagen in der (Braut-) Mode angesagt war. Die Hochzeitskleider sind schlicht und fallen gerade nach unten. Mehrer Lagen Stoff schmücken den Körper der Braut - teilweise  sind sie nach unten abgestuft. Weiterhin zu sehen sind üppige (bodenlange) Schleier und Kopfbedeckungen.







 

 

Brautpaar aus den 20 Jahren, die Braut sitzt


1920

Die Farbe weiß wurde ab jetzt überall getragen - die Preise für weißen Stoff waren endlich erschwinglich. Die Säume der Brautkleider wanderten langsam nach oben - Knöchel und Schuhe wurden gezeigt. Die Hochzeitskleider sind meist schmal geschnitten und haben lange Ärmeln. Zum ersten Mal wird mit Transparenz gearbeitet. Der Kopfschmuck wird ausgefallener: Stirnbänder und Feder kommen zum Einsatz. Die 20er Jahre sind der Beginn schnell wechselnder Modetrends - auch in der Brautmode.

 

 

 


Brautpaar vor Blumenaltar 1930


1930

In den 30er Jahren wurden die Brautkleider wieder länger und figurbetonter. Die Taille wurde zum Teil eng geschnürt oder geknöpft. Die Ärmel der Hochzeitskleider waren lang und ballonförmig.
Die Brautkleider überzeugten durch elegante Details, wie zum Beispiel ein kleiner Kragen oder Verzierungen im Brustbereich.
Auch hier durfte ein langer Schleier mit Blumengestecken, Federn oder Netzen nicht fehlen.

Foto: ©Sammlung A. Marra

 

 


 

Brautpaar und Familie aus den 1940er Jahren


1940
In den 40er Jahren  spiegelte sich die traurige Zeit des Krieges auch in der Brautmode wider. Da es keinen Zugang zu Stoffen oder der Möglichkeit ein Hochzeitskleid zu schneidern gab, musste improvisiert werden: meist wurden die Brautkleider aus dem was da war selber genäht . Manch eine lieh sich ein Hochzeitskleid oder heiratete in einem alten Kleid. Die Männer heirateten in Uniform. Zudem bestand für Wehrmachtsangehörige, die „an einem Krieg, einem kriegsähnlichen Unternehmen oder einem besonderen Einsatz teilnahmen“ die Möglichkeit einer Ferntrauung. Für diesen Anlass benötigte die Braut kein besonderes Hochzeitskleid.

 

 

 

 

Brautpaar vor der Kirche 1950

1950

Vielleicht lag es an der Energie, die mit dem Ende des Krieges frei gesetzt wurde:  die Hochzeitskleider der 50er Jahre waren oppulent und ausgefallen. Kurze Brautkleider umschmeichelten die Knie. Die Röcke waren weit ausgestellt mit Petticoat drunter. Viel Spitze kam zum einsatz und elegante hohe Schuhe wurden getragen. Die Taille der Brautkleider war eng und betonte die Figur. Erstmals wurden die Brautschleier kürzer.

 

 

 

 

 

Brautpaar und Junge aus den 60er Jahren vor einer Kutsche


1960

In den 60er Jahren wurde die Brautmode wieder schlichter. Enganliegende Kleider und Röcke schmückten die Körper der Bräute. Die A-Linie setzt sich durch und die Hochzeitskleider folgten klaren geometrischen Linien.
Kurz blieben die Röcke der Brautkleider noch immer. Erstmals hatten die Hochzeitskleider kurze Ärmel.
Anstatt eines Blumenkranzes kam hier öfter der "Pillbox" zum Einsatz.

 

 

 

 

 

Braut und Bräutigam aus den 70er Jahren


1970

Die 68er Revolution und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen spiegelt sich auch in der Brautmode wieder. Die Menschen wurden mutiger und die Brautkleider ausgefallener. Ob kurz oder lang, aus Spitze oder Satin, mit oder ohne Schleier - alles war möglich und die Braut trug, was ihr gefiel.

 

Foto: Evening Standard/ Getty Images

 

 

 

 

 

Brautpaar Lady Diana Spencer und Prinz Charles 1981


1980

Den Trend für die Brautkleider der 80er Jahre setzte 1981 Lady Diana Spencer mit ihrem außergewöhnlichen Brautkleid: eine herzzerreißend lange Schleppe, üppige Rüschen und die markanten Ärmel waren das Vorbild vieler Brautkleider der 80er Jahre. An Stoff und Prunk wurde hier nicht gespart.

 

 

 






Beckham Hochzeitb 1999


1990

Die abgelegten Tabus schwangen zum Beginn der 90er Jahre noch mit. Immernoch waren die Brautkleider oppulent und ve

rspielt. Aber die Mode wandelte sich schneller: kurze Hochzeitskleider wurden getragen, neben langen in A-Linie fallenden Roben. Es gab keine klare Linie, alles war erlaubt.

 





 

Vintage Brautkleid LALE von entstaubt

 Brautkleid LALE aus dem Jahr 1968



 

Quellen:

https://www.spiegel.de/fotostrecke/mode-zeitreise-mit-brautkleidern-historische-hochzeitsmode-fotostrecke-114489.html

http://www.retro-moden.de/index.php?id=geschichte_brautmode

https://www.galatea-ziss.de/journal/brautkleid.html